Prokrastination bei Schülern: Ursachen verstehen, Lösungen umsetzen

Wenn Schüler ständig aufschieben, wirkt es von außen oft wie „keine Lust“. In Wirklichkeit ist Prokrastination meistens ein Selbstschutz. Und zwar vor Überforderung, vor Fehlern, vor Druck oder vor einer Aufgabe, die zu gross und zu unklar geworden ist. Aufschieben ist aber kein Charakterfehler. Es ist ein Muster und Muster kann man verändern. Lernmotivation ist dabei nicht der Startknopf, sondern das Ergebnis von Klarheit, Mini-Schritten und schnellen Erfolgserlebnissen.

Hier bekommst du von uns eine klare Ursachen-Analyse, Sofortmassnahmen, die in echten Prüfungsphasen funktionieren, und konkrete Tools wie Vorlagen und Checklisten, die Schüler und Eltern sofort einsetzen können.

Was ist Prokrastination und was ist es nicht?

Prokrastination bedeutet: Ich will oder sollte lernen, aber ich verschiebe es wiederholt, obwohl ich weiss, dass es mir später schadet.

Das ist etwas anderes als Erholung, Priorisieren oder Faulheit. Erholung durch bewusste Pausen ist sinnvoll, weil wir dadurch wieder leistungsfähig werden. Durch Priorisieren erledigen wir etwas anderes, weil es objektiv wichtiger ist. Und Faulheit ist kein innerer Konflikt. Bei Prokrastination ist hingegen der Konflikt fast immer da.

Wichtig zu wissen: Prokrastination ist selten „zu wenig Disziplin“, sondern häufig zu viel innerer Druck ohne klare Struktur. Zeitmanagement für Schüler heißt dann vor allem: Aufgaben so klein machen, dass man sofort anfangen kann und feste Lernblöcke statt „irgendwann“ planen.

 

Warum Schüler aufschieben: die häufigsten Ursachen

1) Überforderung (Lernlücken + zu grosse Aufgaben)

„Lern Mathe“ ist kein Plan. Das Gehirn blockiert bei unklaren, grossen Aufgaben.
Typisch: „Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.“

Signal: Startprobleme, ewiges Sortieren statt Lernen, ständiges „gleich“.

2) Angst vor Fehlern & Perfektionismus

Wenn nur „perfekt“ zählt, wird der Einstieg bedrohlich. Dann wird Aufschieben zur kurzfristigen Angst-Entlastung.

Signal: Sehr lange an Kleinigkeiten, extreme Unzufriedenheit trotz Aufwand.

3) Fehlende Ziele: „Wofür mache ich das?“

Ohne greifbares Ziel fehlt der Antrieb. Noten sind für viele zu abstrakt, besonders wenn Erfolgserlebnisse fehlen.

Signal: „Bringt eh nichts“ / „Ich kann das nicht“ (erlernte Hilflosigkeit).

4) Ablenkung & Reizüberflutung (Handy, Games, Social Media)

Das ist nicht „schwacher Wille“. Apps sind auf Aufmerksamkeit optimiert. Wenn Lernen nicht klar strukturiert ist, gewinnt immer das, was sofort belohnt.

Signal: Jede kleine Unterbrechung führt zu 20 Minuten „weg“.

5) Energieprobleme: Schlaf, Prüfungsstress, Tagesrhythmus

Viele Schüler versuchen abends „irgendwann“ zu lernen, wenn Energie und Fokus schon weg sind.

Signal: Lernen startet spät, endet frustriert, morgens Stress.

6) Konzentrations- und Organisationsprobleme

Manchmal steckt mehr dahinter (z. B. AD(H)S, starke Prüfungsangst, depressive Verstimmung). Das muss man nicht „diagnostizieren“, aber ernst nehmen.

Signal: Dauerhafte massive Probleme in mehreren Lebensbereichen, nicht nur in einem Fach.

 

Woran man Prokrastination erkennt

Prokrastination

  • Aufgaben werden verschoben, bis nur noch „Notfall“ bleibt.
  • Es gibt viel Aktivität, aber wenig Fortschritt (Ordner, Stifte, Tabs, „Recherche“).
  • Häufige Sätze: „Ich mache es später“, „Ich brauche erst Motivation“, „Ich lerne besser unter Druck“. 

 

Kurzer Selbstcheck: Was steckt bei mir dahinter?

Beantworte spontan:

  1. Ist die Aufgabe zu gross/unklar?
  2. Habe ich Angst, schlecht zu sein?
  3. Fehlt mir ein konkretes Ziel (was genau muss heute fertig werden)?
  4. Ist mein Umfeld zu ablenkend?
  5. Bin ich gerade zu müde/gestresst? 

Die Lösung hängt fast immer an Frage 1–2. Erst „startbar“ machen, dann Motivation.

 

Soforthilfe: Wenn Abgabe morgen ist

Prokrastination

Die 10-Minuten-Startregel

Stell einen Timer auf 10 Minuten. Ziel: nur anfangen, nicht fertig werden.

Warum es wirkt: Der Start ist die höchste Hürde. Nach 10 Minuten ist die Aufgabe oft „weniger gefährlich“.

Minimalziel statt Perfektziel

Formuliere das Ziel so klein, dass du es nicht ablehnen kannst:

  • Nicht: „Aufsatz schreiben“
  • Sondern: „Überschrift + 3 Stichpunkte“
  • Nicht: „Mathe lernen“
  • Sondern: „5 Aufgaben aus Thema X, Nummern 1–5“ 

Notfall-Plan in 3 Schritten

  1. Muss: das, was bewertet wird (Kernaufgaben)
  2. Soll: sinnvolle Ergänzung
  3. Kann: Extra (nur wenn Zeit ist) 

In der Krise zählt „abgeben“ mehr als „perfekt“.

Lösungen, die langfristig wirken

1) Aufgaben richtig klein machen (Schrittplan)

Eine Aufgabe ist „startbar“, wenn sie in 5–15 Minuten machbar ist.

Beispiel „Deutschprüfung“ →

  • 10 Min: Themenliste + markiere 3 Schwerpunkte
  • 15 Min: 1 Thema zusammenfassen (nur Stichpunkte)
  • 15 Min: 10 Karteikarten (Begriffe/Beispiele) 

2) Timeboxing (Lernen in Blöcken)

Plane nicht „wie lange“, sondern was in einem Block passiert.

Beispiel-Block (25–35 Min):

  • 2 Min: Material bereit
  • 20 Min: Aufgaben/Übungen
  • 5 Min: Fehler checken
  • 3 Min: Nächster Mini-Schritt notieren 

3) Startbarrieren senken

  • Arbeitsplatz am Abend startklar machen (Buch auf, Heft offen, Aufgabe notiert).
  • Einstiegssatz definieren: „Ich beginne mit Aufgabe 1a.“
  • Alles Überflüssige weg (Tabs, Handy außerhalb des Zimmers). 

4) Belohnungssystem ohne Drama

Belohnung muss sofort sein, nicht „irgendwann“:

  • Nach 25 Minuten: 5 Minuten Pause
  • Nach 2 Blöcken: Snack / kurzer Spaziergang
  • Nach Tagesziel: 30 Minuten Lieblingsding ohne schlechtes Gewissen 

5) Wochenplan statt täglicher Improvisation

Prokrastination liebt Unklarheit. Ein Wochenplan reduziert Entscheidungen.

Mini-Wochenplan (Beispiel):

  • Mo/Di: Mathe (2 Blöcke)
  • Mi: Deutsch (1 Block) + Französisch (1 Block)
  • Do: Wiederholen (2 Blöcke)
  • Fr: Test-Training (1 Block) + Organisation (15 Min) 

6) Ablenkungen managen: Handy-Regeln, die funktionieren

  • Handy ausser Reichweite (nicht nur „lautlos“).
  • „Nur für Musik“ → dann Flugmodus + Offline-Playlist.
  • Wenn nötig: Lern-App-Blocker während Lernzeit. 

 

Eltern: sinnvoll unterstützen, ohne Streit

Prokrastination

Was hilft

  • Gemeinsam planen, nicht kontrollieren: „Was ist heute der kleinste Schritt?“
  • Ruhig bleiben bei Rückfällen: Muster ändern dauert.
  • Verbindlichkeit: feste Lernzeit + klarer Abschluss („Dann ist frei“). 

Was meist schadet

  • Drohen, Beschämen („Du bist faul“)
  • Dauer-Kontrolle (macht abhängig statt selbstständig)
  • Unklare Erwartungen („Lern mal mehr“) 

Besserer Satz: „Lass uns 15 Minuten starten. Danach entscheidest du, ob du weitermachst.“

 

Schule & Nachhilfe: so wird Unterstützung wirklich effektiv

Nachhilfe wirkt am besten, wenn sie nicht nur „mehr Aufgaben“ liefert, sondern drei Dinge kombiniert:

  1. Lernlücken schliessen (Ursache der Überforderung)
  2. Struktur geben (Schrittpläne, Lernroutine, Zeitblöcke)
  3. Feedback, das Fortschritt sichtbar macht (Fehlerarten erkennen, nicht nur „falsch“) 

Gerade in intensiven Phasen (Prüfungen, Gymi/Matura-Vorbereitung) ist ein externer Rahmen hilfreich: regelmässige Termine erzeugen Startdruck ohne Panik, weil der Einstieg nicht jedes Mal neu verhandelt werden muss.

Wenn ihr in Basel seid: Eine gute Nachhilfe in Basel sollte nicht nur den Stoff erklären, sondern gemeinsam einen realistischen Lernplan mit klaren Mini-Schritten und messbaren Zielen bauen.  Bei der Tutor Akademie ist genau das der Standard. inklusive Lerncoaching: Wir machen Lernen Schritt für Schritt planbar.

 

Vorlagen & Tools zum Mitnehmen

1) Checkliste „Start in 2 Minuten“

  • Handy weg / Flugmodus
  • Tisch frei
  • Aufgabe als 10-Minuten-Schritt notiert
  • Timer an
  • Nur anfangen 

2) Template: Aufgaben zerlegen

Aufgabe: ____________________
Mini-Schritt 1 (10–15 Min): ____________________
Mini-Schritt 2 (10–15 Min): ____________________
Mini-Schritt 3 (10–15 Min): ____________________
Abschluss (5 Min): Fehler checken + Nächster Schritt notieren

3) Fehler-Log (für Mathe/Sprachen)

Notiere pro Fehler:

  • Was war der Fehler-Typ? (Rechenweg, Regel, Unachtsamkeit, Verständnis)
  • Was ist die Regel/der Hinweis?
  • 1 Mini-Übung dazu 

Das reduziert Wiederholungsfehler drastisch und motiviert, weil Fortschritt sichtbar wird.

 

Wann man zusätzliche Hilfe einbeziehen sollte

Bitte nicht „wegoptimieren“, wenn:

  • starke Angst/Stress körperlich wird (Panik, Schlafprobleme)
  • Konzentration dauerhaft massiv ist
  • Stimmung über Wochen deutlich kippt
  • Schule und Alltag spürbar leiden 

Dann kann ein Gespräch mit Lehrperson, Schulsozialarbeit oder ärztlicher/psychologischer Unterstützung sinnvoll sein. Das ist kein „Scheitern“, sondern saubere Ursachenarbeit.

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